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Bremse Freigänigmachen

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Hallo Zusammen,

blöde Frage... aber was versteht man genau unter Bremse "freigängig machen", bzw. was macht ein richtiger KFZ Mechaniker..wenn er die Bremse beim Volvo 144 freigängig macht.

Hintergrund:

Beim letzten TÜV wurde festgestellt, dass die Bremse einseitig links stärker zieht als rechts (aber innerhalb der Toleranz). Der Prüfer sagte mir, dass man die Bremse bei Gelegentheit frei gängig machen sollte.

Da der Wagen aber gut bremst, die Bremsen frisch entlüftet waren und die Belege und Scheiben in einem sehr guten Zustand waren und immer noch sind habe ich da erstmal nichts unternommen. Da aber bald wieder der TÜV ansteht, würde ich das gerne erledigen.....

Grüße

Kárdán

Gets Around
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Hei Kardán,

vermutlich hat der Prüfer auf der Uhr gesehen, dass sich das betreffende Rad auch ohne Bremswirkung nicht frei dreht. Mögliche Ursachen sind entweder ein zugequollener Bremsschlauch und/oder ein Kolben, der hängt.

Maßnahmen: Aufbocken, prüfen, ob das Rad einigermaßen frei dreht. Rad ab. Das Pedal ein paarmal treten. Dann Entlüfternippel leicht öffnen: wenn die Flüssigkeit richtig rausspritzt, ist der Schlauch zu. Wechsle dann alle Bremsschläuche am Fahrzeug.

Dann - und falls Schlauch okay - das Gleiche wieder von vorn: dreht das Rad jetzt frei? Falls nicht: lassen sich die Klötze einigermaßen gut zurückdrücken? Nicht?

Die Methode aus dem Ural: Klotz auf einer Seite raus, Kolben durch Pedaldruck ein kleines Stück rausschieben. Dann ganz brachial einen Montierhebel an der Scheibe abstützen und den Kolben nach innen drücken. Das ein paarmal wiederholen. Klotz wieder rein, dann andere Seite.

Die verantwortungsvolle Methode. Bremszange ausbauen, Kolben mit Pressluft entfernen, Zylinderbohrung auf Fress- und Korrosionsspuren prüfen - falls zu retten, Bremszange mit Überholsatz revidieren usw. usw.

Grüße - Lutz

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Dank Lutz für deine Erklärung.

Bedeutet --> Bremse freigängig machen damit der Kolben quasi zurück kann, dass hat nicht direkt mit der Druckkraft des Kolbens auf die Bremsscheibe zu tun.

Ich habe das mal geprüft, alle Räder drehen frei.

Die Bremsschläuche hatte ich vor ca. 3 Jahren neu gemacht.

Werde dann am Besten erstmal vorfahren und schauen was der Prüfer diesmal sagt

Forum Vet
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Kardan;

Gute infos von Lutz, aber wenn Gummibremsleitungen relativ neu sind, und Du hast beim eigenen Test gefunden, das "alle Räder drehen frei." (auch unmittelbar nach einer Bremsbetaetigung durch ein Helfer?) dann sollte beim naechsten TUeV Besuch nichts zu bemaengeln sein...der Unterschied in der Bremswirkung war letztes mal ja immerhin "innerhalb der Toleranz"...und es ist mir nicht klar (vielleicht auch anderen Mitlesern) unter welchen Bedingungen der Pruefer so einen unspezifisch ausgedrueckten Mangel fand...

Ich moechte deswegen Deine bzw. die Aussage des Pruefers etwas zerlegen und bekommentieren..."dass die Bremse einseitig links stärker zieht als rechts [beim Bremsen? (Reibekraft), oder hat er gemeint unmittelbar nach dem Bremsen (traege Loslasswirkung (durch z.B. zugeschwollene Bremsschlauch order traege Kolbenrueckbewegung)] (aber innerhalb der Toleranz). Der Prüfer sagte mir, dass man die Bremse bei Gelegentheit frei gängig machen sollte." Unter welchen Arbeits, und Funktionskondionen ist sie Unfreigaengig, haette mann ihn fragen sollen...

...uebrigens wenn der Pruefer meint "innerhalb der Toleranz", und "bei Gelegentheit" kann es nicht so boese gewesen sein...

Gruesse

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Freigängig machen ...
Mal eine kurze Erklärung aus meiner Lehrzeit (80er Jahre). Damals wurde noch mehr repariert und weniger getauscht .
Wenn die Bremse mal nicht so gleichmäßig bremste, musste man als Lehrling die Bremse "frei" und "gängig" machen. Das bezog sich also nicht nur auf das Lösen des Rades, nachdem man von der Bremse wieder runter war, sondern auf jede Art von ungleicher Bremswirkung.
Das hieß dann die Bremse einmal komplett zerlegen, alles sauber machen, vor allem Handbremshebel und Bremseinsteller. Kolben auf Gängigkeit prüfen (wenn nicht frei beweglich, dann wurden die schon damals einfach getauscht - auch der Lehrling kostet Geld). Bremssättel, insbesondere die Schwimmsättel wurden in den Laufflächen von Korrosion befreit und mit Kupferpase sparsam gefettet. Beläge und Trommel leicht angeschliffen und alles wieder sorgfältig zusammengebaut. Bremse eingestellt und dann wieder auf den Bremsenprüfstand gefahren. Nun sollte die Bremse schön gleichmäßig bremsen. Falls nicht - nochmals zerlegen und Beläge von links nach rechts tauschen und noch so ein paar Tricks.

Jedenfalls war das das Freigängig machen einer Bremse. Und wenn der Prüfer auch zu den etwas früher gebohrenen gehört, denke ich das er damit sagen wollte: Bremse ist noch OK, aber bei Gelegenheit mal alles gründlich sauber machen.

Viele Grüße,
Jürgen

Gets Around
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Hi,
So wie Jürgen das beschreibt hat man das gemacht als der Beruf noch Kfz-Mechaniker hieß und so macht man das im Ansatz wohl auch heute noch.
Allerdings wird heute wegen der Personalkosten und Gewährleistung eher getauscht.

Bremsbeläge können im Sattel/Bremszange klemmen - also die entsprechenden Flächen von Rost und Anhaftungen säubern.
Auch die Dichtgummies der Bremskolben können defekt sein und das Zurückgehen des Kolbens nicht mehr unterstützen - Überholsatz. Kolben sind meist bei defekten Gummies ankorrodiert.
In unserer Werkstatt gab es sogar eine Bremsscheiben Drehmaschine . Heute undenkbar.
Volker
123 GT (1967) - V70 D5 Polestar (2012)

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Jürgen;

...auch Gute Infos!...und auch wieder heute was dazu gelernt: "Schwimmsättel"!

...ich hatte gedacht das waer was mann hinter dem Bremssattel hinterher ruft den mann ihn wegen Fehlfunktion in den Bach wirft...!

Gruesse

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He Ronzo,

erinnert mich an die Zeit als ich auf den großen Meeren unterwegs war. Wenn man bei einer Sache nicht sicher war ob sie noch funktionierte, machte man den "Sink - Swim - Test". Man warf es über Bord und wenn es unterging war es noch gut

Schwimmsattel: Bei einer Scheibenbremse die Bremszange in einer axialen Führung. Damit kann sich der Sattel frei in axialer Richtung bewegen und benötigt nur einen Bremskolben auf einer Seite der Scheibe - und etwas mehr Pflege wegen Korrosion in der Führung.

Viele Grüße,
Jürgen

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Jürgen;

...auch ein aehnlicher Schwimmtest wie der "Hexentest" Im Monty Python..."...wenn sie das gleiche wiegt wie eine Ente...und deswegen schwimmt...besteht sie aus Holz...und ist dewegen eine Hexe...!" erstklassige, unerschuetterliche mittelaterliche Logik, meine ich!

Ja, diese modernen Bremssattel mit nur einem Kolben muessen auf einer Schiene montiert sein so das sie sich, und die Klotze selbst an der Scheibe zentrieren koennen...ist klar...die hydrauliche Kraft die das Verursacht ist hoch, aber von Rost befreit und etwas Lubrizierung auf den Rutschflaechen der Schienen ist nichts boeses...bei den festmonierten Girling Satteln mit 3 or 4 Kolben ist das ja nicht noetig (oder gar moeglich!)...und wenn ein Kolben sich traege unter Druck rausbewegt, oder dann nur traege wieder zurueck zieht, beides kann zu "unfreigängigkeit" fuehren...

Ich meine Kárdán duerfte jetzt durch die Erklaerung, Erfahrung und Diskussion gut verstehen was der Pruefer gemeint hat...

Gruesse
Editiert am Wed 22. Apr. 2020, 21:44:23 von Ronzo

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Hallo Zusammen,

vielen Dank für die hilfreichen Tipps.

Es war so... einer der 4 Kolben auf der rechten Seite saß fest.

Habe ihn mit der "Russischen" Methode frei gekriegt.

Mit was schmiere ich die Kolben jetzt am besten, dass diese nicht wieder fest gammeln?

Kupferpaste oder MOS2 unter die Dichtung spritzen?

Grüße

Kárdán

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... nimm die blaue ATE-Paste, mit der Bremsteile montiert werden - die verträgt sich ggf. auch mit der Bremsflüssigkeit (auch wenn die nicht miteinander in Kontakt kommen dürften). Die Paste greift das Gummi – also Dichtungen um den Kolben oder außen die Staubmanschette – nicht an.

Kupferpaste und MOS2 haben hier nichts zu suchen.

Gruß
Kay
Editiert am Wed 22. Apr. 2020, 15:56:38 von Ami-amazon

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Hej

Ich würde ATE Bremsenfett nehmen.

Joachim

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Hallo Danke für die Tipps, muss da bei euch aber nochmals nachbohren....

Ich war nämlich heute mittag beim Teilehändler ...

Die blaue ATE Bremszylinderpaste ist dort leider ausverkauft. Kommt erst nächste Woche wieder.

Dann gibt es noch den blauen ATE Plastilube Universalschmierstoff für Scheibenbremsen --> gut oder nicht? Die Dame im Verkauf konnte mir die Frage auch nicht sicher beantworten.

Und in meinem Werkzeugkasten liegt noch eine halbvolle Tube Keramikpaste --> die könnte ich natürlich aufbrauchen ...aber nur wenn gut...

Grüße

Kárdán

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Hallo Kárdán,

es gibt keine einheitliche Zusammensetzung von Keramikpasten, daher kann man keine generelle Aussage treffen. Ich bezweifle allerdings stark die Nutzbarkeit.
Alles was mit Bestandteilen daherkommt, die mit oder aus Mineralöl hergestellt werden, sind absolut verboten da diese die Dichtungsgummies angegreifen und vernichten. Irgendwann tritt man dann ins Leere.

Die ATE -Bremszylinderpaste ist KEIN konsistenzstabiles Schmierfett.
Sie ist eher für ein leichteres Zusammenbauen von neuen Bremanlageteilen gedacht.
Aber für eine Fall wie bei dir würde ich Nichts anderes nehmen.

ATE Plastilube ist für Bremssattelführungen und das soll Bremsenquietschen verhindern. Kenne die Zusammensetzung des Inhalts nicht.
Würde ich am Bremszylinder nie benutzen!

Volker

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ATE-Paste schwindet mit der Zeit, Volkers Hinweis ist richtig. Allerdings solltest du auch einwandfreie Staubmanschetten verbaut haben, die haben eine Schutzfunktion.

Gruß
Kay


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